Camping Oberei, CH-3812 Wilderswil
Berner Oberland, Schweiz

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Auszüge aus dem Buch "Wilderswil" von Hans Ulrich Grossniklaus sel.: (Original Auszüge auf der Homepage der Gemeinde Wilderswil)

Gründung des Dorfes
Im Jahre 1895 fand man beim Bau des Hotels Schönbühl ein alemannisches Gräberfeld mit allerlei Beigaben. Sie wohnten wohl in der Nähe, entlang der Oberdorfstrasse. Hier waren die Vorfahren sicher vor Überschwemmungen, Lawinen und Steinschlag. Nach Mutmassungen von Prof. Hufschmied könnte der Dorfgründer "Wildheri" geheissen haben, was schliesslich in "Wilderswil " abgeleitet wurde.

Herren von Rotenfluh und Unspunnen
Auf einem Fluhband hinter Wilderswil, am Eingang in die Lütschinentäler, hat es an versteckter Stelle noch Mauerreste. Dort war die Bergfestung der Herren von Rotenfluh. Von ihnen ist wenig bekannt. Vermutlich zogen später die Rotenfluhherren nach Unspunnen. Hier regierte im 12. Jahrhundert Burkhard von Unspunnen mit seiner Tochter Ita, die sich später mit Rudolf von Wädenswil verehelichte. Weitere wohnten zu Unspunnen die Herren von Weissenburg aus Scharnachtal. Weit über die Landesgrenzen wurde der Name Unspunnen bekannt,a ls in der Nähe zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Alphirtenfeste durchgeführt wurden.

Unruhige Zeiten
Die Dorfleute von Grenchen, Mühlenen und Wilderswil waren mit der Augustinerherrschaft in Interlaken nicht zufrieden. Um sich zu lösen, verbündeten sie sich im geheimen mit den Landsleuten von Unterwalden. Die Stadt Bern kam dem bedrängten Klosten zu Hilfe. Zur Strafe wurde damals, 1349, das Dorf Wilderswil verbrannt. Als einziges Gebäude soll die Mühle am Saxetenbach verschont worden sein. auch später, zur Reformationszeit, gab es viel Unzufriedenheit, besonders als die Bodenzinse nicht mehr dem Kloster, sondern an Bern abgeliefert werden mussten. Nicht vergebens wurde die hiesige Bevölkerung in ihrem Wappentier als aufrüherische Steinböcke benannt.

Göttliche Gerichte
Krankheiten und Naturereignisse wurden von unseren Vorfahren als göttliche Gerichte angesehen und man schickte sich darein, die Leiden zu ertragen. Da waren die immer wieder auftauchenden Pestseuchen, die grosse Opfer forderten. Letztmals war 1669 das grosse Sterben im Dorf. Man schätzt, dass einige hundert Menschen, mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung, innert kürzester Zeit dahinstarben. Ein Erdbeben im Jahr 1729 brachte grossen Schaden, wurden doch damals teilweise die Dorfquellen verschüttet. Dann durchbrachen die Lütschine und der Saxetbach immer wieder die Dämme und überschwemmten das Dorfgebiet.

Politische Wirren
Abwechslungsweise regierten im Kanton Bern in den fünfziger Jahren des vorvorigen Jahrhunderts die Konservativen und die Liberalen. Mehrheitlcih gehörten die Wilderswiler mit den anderen Bödeligemeinden ins liberale Lager, während die Leute von Grindelwald, Habkern und Beatenberg auf der Gegenseite standen. Bei den Wahlen ging es oft sehr hitzig zu. Anlässlich einer Wahlversammlung in der Kirche Gsteig gerieten die beiden Parteien derart hintereinander, dass es blutige Köpfe gab. Eine wichtige Rolle bei diesen Auseinandersetzungen spielte Amtsrichter und Grossrat Heinrich Schläppi von Wilderswil, gewesener Leutnat im Sonderbundskrieg, auf Seiten der Liberalen.

Wilderswil wird Fremdenkurort
Vor und nach der vorletzten Jahrhundertwende wurden die Hotels gebaut. Bis dahin war Wilderswil ein verträumtes Bauerndorf. Einzelne Gäste wurden per Kutsche am Neuhaus am Thunersee abgeholt. Erst mit der Eröffnung der Talbahn (Berner Oberland Bahnen) nahm das Dorf einen grossen Aufschwung. Bald waren 12 Betriebe mit über 750 Fremdenbetten bereit. Auch damals schon fanden Gäste günstige Preise in privaten Unterkünften. Die goldene Zeit war angebrochen, doch diese dauerte nur kurz. Die beiden Weltkriege brachten Rückschläge. Doch erholte sich seither Wilderswil als Fremdenkurort ordentlich. Die Bahn auf die Schynige Platte hat zur Entwicklung des Fremdenkurortes beitgetragen.

In Vergessenheit geraten
Ein angenehmer Wanderweg führt von Wilderswil durch lichten Bergwald auf den Abendberg. Hier gründete der Arzt Dr. Guggenbühl im Jahre 1840 eine Kretinenanstalt, ein Heim für behinderte Kinder. Er glaubte, dass seine Pfleglinge in der gesunden, Leib und Seele erheiternden und stärkenden Bergluft und bei guter Nahrung den besten Heilerfolg haben könnten. Da der Erfolg ausblieb, starb Dr. Guggenbühl, von vielen Menschen angefeindet, in noch jungen Jahren als gebrochener Mann. Ein weiterer Spaziergang führt auf das Ried. Hier wohnte Fräulein Marie Wach, die Enklein von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Als treue Hüterin einer grossen Erbschaft verwaltete sie den Nachlass ihres Grossvaters.

Essensbräuche
Einige alte Essensbräuche haben sich trotz des Wandels der Essgewohnheiten nicht verdrängen lassen:
In einigen Familien wird zur Festzeit noch gebacken. "Bräzeleni", "Graswürm", "Fasnachtschüechleni", "Güetzeni", "Lächcheuche" und "Grittibänze". Andere traditionelle Festspeisen sind: "Brönni Greme, dürr Biireschnitza u gschwungeni Niidla". "Gitzibrägel gits a Oschtere, Chäschueche am Oschtermändig u Zwätschgenchueche am Bättag. Nicht zu vergessen ist das Festtagsbrot "d Züpfa". Lassen Sie sich diese Ausdrücke doch mal von ihren Gastgebern übersetzen oder noch besser, degustieren sie diese Köstlichkeiten, wenn man sie Ihnen anbietet!

Wilderswil

Der idyllische Ferienort bietet Ihnen ländliche Ruhe, eine intakte Natur und eine fast unerschöpfliches Ausflugs-, Sport- und Wanderangebot. Wilderwil zählt rund 2'200 Einwohner und liegt zu Füssen der Bergzüge am Eingang zu den Lütschinentälern mit den Orten Grindelwald und Lauterbrunnen. Wandern, Biken und Bergausflüge z.B. mit der Zahnradbahn auf die Schynige Platte sind nur einige Höhepunkte eines Ferienaufenthaltes in Wilderswil.

Wilderswiler Brauchtum:

1. Silvester "Trychler"

Die "Trychler" sind junge, ledige Bur-schen, die in der Silvesternacht mit Glocken und "Plumpen" durchs Dorf ziehen und das alte Jahr ausläuten. Nach dem Mitternachtsschlag läuten sie das neue Jahr mit Trychlerklang und Jauchzen ein. Sie wünschen der Bevölkerung "äs guets Nüüws" und erhalten mancher Orts einen Umtrunk.

2. Alpauf- und Alpabfahrt:

Gegen Ende Mai legt der Pfander oder der Präsident der Alpgenossenschaft fest, an welchem Tag die Kühe auf die Alp ziehen. Der Aufzug findet tradit-ionsgemäss dienstags, donnerstags oder sonntags statt. Die Bauern-familien gehen frühmorgens (zwischen 02.00 und 05.00 Uhr) auf die Alp. Um den Bettag, dass heisst um den 20. September, endet der Bergsommer. Die Kühe werden mit kleinen Bäumchen oder Tannästen, Rosen und Bädern aus Seidenpapier geschmückt und tragen schön polierte Glocken. Die Herde wird von den Bauern ins Tal getrieben. Die Älper sind traditionsge-mäss mit ihrem "Chüejermutz" ge-kleidet.

3. Examen

Das Examen (Schulabschlussfest) mit seinem Umzug ist ein typischer Früh-jahrsbrauch. Trotz Verlegung des Schulanfanges in den Herbst, hat sich der Examensumzug mit den typischen (aber leider nicht mehr so zahlreichen) Blumenkränzen erhalten.

4. Unspunnenfest

Mit dem im Jahr 1805 gegrüneten Un-spunnenfest sollte die eigenwillige Berner Oberländer Bevölkerung mit einem Volksfest mit der Berner Regie-rung versöhnt werden. Als Standorte diente die Burg Unspunnen, auf der im 13. Jahrhundert Berchtold V. von Zähringen (Gründer der Stadt Bern) einen Zwist mit dem Freiherrn von Un-spunnen beilegte. Die bereits be-stehende Tradtion der Hirtenfeste be-günstigte diese Idee. Dieses Volksfest der Alphirten und Schwinger wurde weitergeführt und kann im Jahr 2005 auf eine 200 jährige Tadtition zurück-blicken.

5. Chilbi

Im August finden auf einigen Alpen rund um Wilderswil Bergfeste statt. Alt und Jung trifft sich zu Essen, Tanzen, Jodeln und Singen in freier Natur.

6. Molchneta

An der "Molchneta" teilt der Pfander oder der Bergvogt nach gemessener Milchmenge den Käse - das "Molchet" - unter die Bauern auf und stellt sie im Speicher bereit. Die "Bsetzer" aus dem Tal werden namentlich aufgerufen und der ihren Kühen zugeteilte Käse wird herausgereicht. Nachdem der Käse ver-laden ist, sitzen die Bauern zum Essen und Trinken zusammen.

7. Choschneta

Die "Choschneta" bildet den Abschluss des Alpsommers. Sie wird meist mit einem feuchtfröhlichen Fest gefeiert. An diesem Abend haben sämtliche "Bsetzer" ihren Obolus an die Gesamt-kosten des Alpsommers zu entrichten. Der Älper erhält seinen verdienten "Alplohn".

8. Viehschau

Ein weiterer eingesessener Brauch ist die Viehschau, früher als "Zeichnig" bekannt.

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